An Chang-Rim mit 32: Vom ewigen Ono-Jäger zum prägenden Weltmeister
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Wenn in den letzten Jahren im U73kg-Judo über große Namen gesprochen wurde, fiel ein Name fast immer: An Chang-Rim. Der Koreaner, der in Kyoto geboren wurde, stellte sich konsequent den stärksten Gegnern seiner Generation. Schon mit sechs Jahren stand er auf der Tatami, später führte ihn sein Weg an die renommierte University of Tsukuba, wo sich seine Karriere eigentlich problemlos in Richtung japanisches Nationalteam hätte entwickeln können.
Doch An schlug einen anderen Weg ein. Er entschied sich, für Korea anzutreten, das Heimatland seiner Familie, und wechselte 2014 an die Yong In University. Dieser Schritt machte ihn zu einer der spannendsten Figuren im internationalen Judo. Noch im selben Jahr holte er den Junioren-Weltmeistertitel in Miami und kletterte kurz danach an die Spitze der IJF-Weltrangliste im U73kg-Limit.
An Chang-Rims Karriere zeigt, wie weit Entschlossenheit im Judo tragen kann.
Sein Stil war offensiv, mit perfektem Timing und ständigem Angriffsdruck – genau die Art von Judo, die Fans lieben. Die großen Turniere dieser Zeit waren geprägt von seiner Rivalität mit Shohei Ono. Sechsmal standen sie sich gegenüber, sechsmal siegte Ono, aber keine dieser Begegnungen war ein Spaziergang. Für An wurde jeder Kampf gegen den japanischen Superstar zum Gradmesser und zum Motor, noch besser zu werden.
In einer Gewichtsklasse, in der auch Stars wie Rustam Orujov und Musa Mogushkov unterwegs waren, blieb An ein Dauerkandidat um die Medaillen. Gegen Orujov hatte er sogar eine positive Bilanz und zeigte damit immer wieder, dass er auch gegen europäische Topathleten bestehen und dominieren konnte. Sein größter Moment kam 2018 in Baku, als er nach WM-Bronze 2015 und 2017 endlich Weltmeister wurde.
Die Krönung seiner olympischen Reise folgte bei den Spielen in Tokio 2021 mit der Bronzemedaille. Dazu sammelte er Titel auf der World Judo Tour, unter anderem Grand Slams in Paris und Abu Dhabi sowie Grand Prix-Siege in Jeju, Hohhot und Antalya. Selbst als eine neue Generation nachrückte, holte er noch Gold beim IJF World Masters in Doha und bewies, dass er zur absoluten Weltspitze gehört.
Auch nach seiner aktiven Judo-Karriere sucht An den Wettkampf. Er ist in Weightlifting und CrossFit eingestiegen und gewann den Far East Throwdown Qualifier, während er auf Instagram hunderttausende mit seinen Trainingsclips erreicht. Von Kyoto über Korea bis an die Weltspitze – An Chang-Rim hat sich seinen Platz in der Geschichte des U73kg-Judo hart erarbeitet, auch wenn sowohl er als auch Shohei Ono inzwischen (zu früh) abgetreten sind.
Quelle: JudoInside