Astanas letzte Vorrunde bringt große Würfe, Durchbruchsläufe und ein deutsches Duell
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Astanas letzte Vorrunde brachte genau das, was Schwergewichts-Judo verspricht: Kraft, Druck und einige Momente, die den Verlauf des Tages komplett veränderten. Im Zhaksylyk Ushkempirov Martial Arts Palace bereitete der letzte Wettkampfmorgen einen Finalblock vor, der in den schwereren Kategorien starke Geschichten versprach.
In der Klasse bis 90 kg übernahm Brasilien früh die Kontrolle. Topgesetzter Rafael Macedo und Guilherme Schimidt kamen durch dieselbe Hälfte des Tableaus und trafen in einem rein brasilianischen Halbfinale aufeinander, womit ihrem Land ein Platz im Kampf um Gold sicher war. Schimidt, der niedriger eingestufte der beiden, setzte sich über Strafen durch, während Macedo dennoch in den Finalblock einzog.
Auch aus europäischer Sicht gab es in dieser Kategorie einen großen Moment, wenn auch mit gemischten Gefühlen. Der Niederländer Frank De Wit, Weltmedaillengewinner und dreimaliger Olympiateilnehmer, wirkte auf dem Weg ins Halbfinale stark. Doch der Teenager Boris Rutovic aus Serbien sorgte für die entscheidende Wendung, warf aus einem Yuko-Rückstand und gewann mit Ippon, um sein erstes Finale auf der World Judo Tour zu erreichen.
Boris Rutovic verwandelte ein ausgeglichenes Halbfinale in das größte Ergebnis seiner Karriere auf der World Judo Tour.
Auch das Heimpublikum hatte in der Klasse bis 90 kg Grund zum Jubeln. Kasachstans Aidar Arapov überzeugte, indem er den an Nummer vier gesetzten Egor Malkin ausschaltete und sich in den Medaillenkampf schob. Sein Lauf endete gegen Schimidt, doch er sicherte sich dennoch einen Platz im Kampf um Bronze, wo er auf De Wit treffen sollte.
In der Klasse bis 78 kg dominierte Deutschland die Kategorie von Anfang bis Ende. Anna Monta Olek und Alina Boehm, die beiden Topgesetzten, zogen beide in den Kampf um Gold ein, ohne ernsthaft gebremst zu werden. Das war ein starkes Statement von zwei Athletinnen, die wissen, dass ihre nationale Rivalität in diesem olympischen Zyklus immer wichtiger werden könnte.
Für Boehm ist dieser interne Kampf nichts Neues. Sie hat auf dem Weg nach Paris bereits ein intensives Rennen erlebt, und nun ist Olek in der Weltrangliste vorbeigezogen. Ihr Finale in Astana ging nicht nur um Gold, sondern auch um Momentum an einem wichtigen Punkt im Aufbau in Richtung Los Angeles.
Das niederländische Team war in der Klasse bis 100 kg nah an einer weiteren rein europäischen Schlagzeile. Michael Korrel und Simeon Catharina waren beide im Rennen, wobei Catharina nach seinem Silber bei den Europameisterschaften nach Astana gekommen war. Doch die erhoffte Finalpaarung kam nicht zustande, da sich Moldaus Vadim Ghimbovschi und Kasachstans Marat Baikamurov die Plätze im Titelkampf sicherten.
Catharinas Form bleibt dennoch auffällig. Seine Saison brachte bereits fünfte Plätze in Paris und Taschkent, Bronze in Tiflis und dazu dieses EM-Silber, und Astana fügte einen weiteren Auftritt im Finalblock hinzu. Nun musste er gegen den topgesetzten Leonardo Goncalves um Bronze kämpfen.
In der Klasse über 78 kg blieb Italien durch Tiziana Marini und Erica Simonetti im Rennen. Marini erreichte ihren ersten Finalblock und war für einen Bronzekampf gegen Kasachstans Aida Toishibekova vorgesehen. Simonetti wiederum sollte auf Adiyasuren Amarsaikhan treffen, nachdem die Mongolin ihr Halbfinale gegen Elis Startseva verloren hatte.
In der Klasse über 100 kg lieferte Jakub Sordyl aus Polen die klarste europäische Geschichte. Frisch nach seinem Sieg in Duschanbe zeigte der junge Schwergewichtler während der gesamten Session erneut Energie und Selbstvertrauen. Sein Halbfinale gegen Inal Tasoev erwies sich als zu schwer, doch Sordyl hielt sich die Chance auf Bronze offen und fügte einer ohnehin ermutigenden Phase ein weiteres starkes Resultat hinzu.
Das deutsche Finale in der Klasse bis 78 kg war eines der deutlichsten Zeichen der Kontrolle am dritten Tag.
Am Ende der Vorrunden hatte Astana genau jene Spannung erzeugt, die die letzte Station der World Judo Tour vor der Olympia-Qualifikation mit sich bringen sollte: etablierte Namen, die standhielten, jüngere Athletinnen und Athleten, die den Durchbruch schafften, und mehrere europäische Judoka, die mitten im Medaillenkampf blieben.
Quelle: IJF.org
Bildquelle: IJF / International Judo Federation