Kime-no-kata bewahrt die kämpferischen Wurzeln des Judo
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Am zweiten Tag der Kata-Weltmeisterschaften stand Kime-no-kata im Mittelpunkt und rückte die kämpferischen Grundlagen des Judo in den Blick. Die Kata wird oft als Form der entschlossenen Techniken beschrieben. Sie befasst sich mit der Frage, wie auf Angriffe mit Entschlossenheit, Kontrolle und Präzision reagiert wird.
Ihre Wurzeln reichen in jene Kampftraditionen zurück, aus denen sich Judo entwickelte. Jigoro Kano Shihan setzte sich bereits vor der Gründung des Judo im Jahr 1882 und bis an sein Lebensende mit den Kampfkünsten seiner Zeit auseinander. Er wählte Methoden aus, passte sie an und ordnete sie, wenn er darin einen Beitrag zur Entwicklung des Judo sah.
Auch der Weg zur heutigen Kime-no-kata war von Weiterentwicklung geprägt. Um 1888 entwickelte Kano die Shobu-no-kata, die Form des Kampfes, mit zehn Techniken. Nach weiterem Studium des Jujutsu und der Entwicklung seiner eigenen Vorstellungen legte er 1906 einen Entwurf mit 20 Techniken vor. Daraus entstand die heute geübte Form.
Diese Entwicklung erinnert daran, dass Kata keine unveränderten Relikte der Vergangenheit sind. Sie stehen für fortdauerndes Lernen und sorgfältige Weiterentwicklung. Kano wollte nicht, dass Judo unverändert bleibt, sondern dass es durch begründete und wertvolle Beiträge gestärkt wird.
Die Kime-no-kata gliedert sich in zwei Abschnitte. Idori umfasst acht Techniken im Knien: Ryote-dori, tsukkake, suri-age, yoko-uchi, ushiro-dori, tsukkomi, kiri-komi und yoko-tsuki. Es folgt Tachiai mit zwölf Techniken im Stand: Ryote-dori, sode-tori, tsukkake, tsuki-age, suri-age, yoko-uchi, ke-age, ushiro-dori, tsukkomi, kiri-komi, nuki-gake und kiri-oroshi.
Die Kata umfasst waffenlose Angriffe, Griffe, Schläge und Tritte ebenso wie Angriffe mit Dolch oder Schwert. Ihre Wurzeln liegen in der japanischen Tradition der Selbstverteidigung. Sie ist jedoch nicht mit dem deutlich später für Situationen moderner Selbstverteidigung geschaffenen Kodokan Goshin-jutsu zu verwechseln.
Kime-no-kata verlangt eine klare Entscheidung, nicht blinde Kraft.
Es geht nicht darum, eine Liste von Reaktionen aufzubauen, die mechanisch wiederholt werden kann. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Haltung gegenüber einer Bedrohung: Distanz, Timing, Initiative, Aufmerksamkeit und die Kontrolle über den Handlungsablauf. Ziel ist es, ohne Zögern richtig zu handeln und dabei unnötige Gewalt zu vermeiden.
Durch das gemeinsame, klar festgelegte Üben von Tori und Uke hält Kime-no-kata die Erinnerung an die kämpferischen Wurzeln des Judo in einem sicheren Rahmen lebendig. Sie zeigt, dass entschlossenes Handeln bedeutet, eine Situation richtig zu lesen, die passende Reaktion zu wählen und sie kontrolliert auszuführen.
Quelle: IJF.org
Bildquelle: IJF / International Judo Federation