Wie Niko Sherazadishvili sich neu aufbaute, ohne sein Judo zu verlieren
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Niko Sherazadishvilis Geschichte handelt nicht nur von Medaillen. In einem langen und offenen Gespräch im JudoPod blickt der spanische Star auf die Wechsel, Opfer und Rückschläge zurück, die ihn geprägt haben – von seiner Kindheit in Georgien bis zum Druck, an der Spitze des Welt-Judos zu bleiben.
In Georgien geboren und später in Spanien geprägt, kam Sherazadishvili mit 13 Jahren an, ohne die Sprache zu sprechen. Er kannte nur „hola“, passte sich aber durch die Schule, Judo und die Bereitschaft, auch bei Fehlern weiterzumachen, schnell an. Dieselbe furchtlose Haltung sollte später seine Karriere prägen.
Das Dojo wurde lange vor den Medaillen zu seinem Zuhause.
Sein erster Einfluss war sein Vater, ebenfalls Judoka, der ihn schon früh zum Judo drängte, als der junge Niko lieber mit Freunden Fußball gespielt hätte. Die Disziplin begann früh, mit Laufen, Klimmzügen und hartem Training. Was sich anfangs vielleicht nicht wie seine eigene Entscheidung anfühlte, wurde nach und nach zu dem Weg, der ihn formte.
In Spanien wurde Quino Ruiz weit mehr als ein Trainer. Sherazadishvili beschreibt ihn als einen zweiten Vater, einen Mentor und als Teil einer Dojo-Kultur, der die Menschen ebenso wichtig waren wie die Leistung. Dieses Umfeld half dabei, aus Talent echte Hingabe werden zu lassen.
Als Kadett entschied er sich, alles auf eine Karte zu setzen. Auf lange Schultage folgten Laufen, Athletiktraining und Judo, oft stundenlang. Später lernte er eine vollständigere Form von Professionalität kennen: nicht nur hart zu trainieren, sondern auch richtig zu regenerieren und gut zu essen.
Diese Haltung brachte ihn an die Spitze. 2018 gewann Sherazadishvili in Baku, im Kreis seiner Familie und Unterstützer, seinen ersten Weltmeistertitel. Er erinnert sich daran, im Finale ruhig geblieben zu sein, sich im Golden Score vertraut zu haben und auf den richtigen Moment gewartet zu haben. Es war ein historisches Ergebnis für Spanien und ein emotionaler Moment für die Menschen, die ihm am nächsten standen.
2021 folgte in Budapest ein zweiter Weltmeistertitel, der seinen Platz in der Weltspitze bestätigte. Doch der Erfolg brachte eine andere Herausforderung mit sich. Sherazadishvili gibt zu, dass er begann, von sich selbst Perfektion zu erwarten. Allein zu gewinnen genügte ihm nicht immer; er wollte Kontrolle, Würfe und totale Dominanz. Mit der Zeit verstand er, dass auch Ausgeglichenheit wichtig ist.
Erfolg kann den Druck ebenso erhöhen wie das Niveau.
Dann kam ein entscheidender Wendepunkt. Die Klasse bis 90 kg war nicht länger tragbar, weil das Abkochen zu schwierig und ungesund wurde. Der Wechsel in die Klasse bis 100 kg war notwendig, aber nicht leicht. Sein körperlicher, griffbetonter Stil brauchte Zeit und Kraft, um sich an die neue Kategorie anzupassen.
Trotzdem wollte er die Essenz seines Judos nicht verlieren. Das ist heute vielleicht der auffälligste Teil seiner Geschichte: Entwicklung, ohne die eigene Identität aufzugeben. Heute hat er eine WM-Bronzemedaille in der Klasse bis 100 kg und ein ruhigeres, klareres Gefühl dafür, was er vom Wettkampf will.
Es gibt noch immer ein Resultat, das schmerzt. Die Olympischen Spiele bleiben nach Platz 5 im Jahr 2024 eine offene Sache. Doch der Ton ist inzwischen ein anderer. Sherazadishvili jagt nicht mehr um jeden Preis der Perfektion hinterher. Er will bereit, ruhig und frei genug ankommen, um sein Judo auszudrücken.
Sein Weg wirkt so kraftvoll, weil er ehrlich ist. Doppelter Weltmeister, Medaillengewinner in einer neuen Gewichtsklasse und weiterhin in Entwicklung – Sherazadishvili zeigt, dass Größe im Judo nicht nur aus Siegen besteht. Sie bedeutet auch, sich anzupassen, zu lernen und mit Herz weiterzugehen.
Quelle: IJF.org
Bildquelle: IJF / International Judo Federation