Dr. Nuša Lampe on Why Judo Must Stay Open to Every Generation - Image: EJU / European Judo Union

Dr. Nuša Lampe darüber, warum Judo für jede Generation offen bleiben muss

Dr. Nuša Lampe steht im Mittelpunkt des neuesten JOY Talk der European Judo Union, und ihre Botschaft reicht weit über den Wettkampf hinaus. Im Erasmus+-Projekt JOY – Judo Connecting Older and Younger Generations plädiert die slowenische Expertin klar für Judo als lebenslanges Bildungssystem und nicht nur als Sport.

Lampe bringt große Erfahrung in diese Diskussion ein. Sie ist 6. DAN, Sloweniens erste internationale Judo-Kampfrichterin, ehemalige erste Vizepräsidentin des slowenischen Judo-Verbands und Direktorin des Judo Club Golovec. Im Interview verbindet sie Kampfrichterwesen, Coaching, Bildung und Inklusion auf eine Weise, die sowohl praktisch als auch tief in den Werten des Judo verwurzelt wirkt.

Einer der stärksten Punkte stammt aus ihrer Doktorarbeit, die sie 2025 über die Arbeitsleistung und Persönlichkeitsmerkmale internationaler Judo-Kampfrichter auf der World Judo Tour abgeschlossen hat. Lampe erklärt, dass Kampfrichter oft nur anhand von Regeln, technischem Wissen und Entscheidungen auf der Tatami beurteilt werden. Ihre Ergebnisse weisen auf etwas Größeres hin: Auch Persönlichkeitsmerkmale und das Arbeitsumfeld prägen, wie effektiv Kampfrichter ihre Aufgabe erfüllen.

Sie hebt Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit und Extraversion als Merkmale hervor, die beeinflussen, wie Kampfrichter ihr Arbeitsumfeld wahrnehmen. Unterstützung durch Vorgesetzte und Kollegen, Zugang zu Informationen, organisatorische Ressourcen und Lernmöglichkeiten sind ebenfalls wichtig. Aus ihrer Sicht hilft bessere Unterstützung Kampfrichtern dabei, mit mehr Selbstvertrauen und Effektivität zu arbeiten. Das legt zugleich nahe, dass in der Aus- und Weiterbildung von Kampfrichtern und Trainern Kommunikation, persönliche Kompetenzen und ein gesundes Lernumfeld mehr Raum bekommen sollten.

Judo-Ausbildung betrifft nicht nur das, was im Wettkampf passiert.

Diese breitere Sichtweise prägt auch ihre Gedanken zum generationsübergreifenden Training. Für Lampe liegt eine der größten Stärken des Judo darin, dass Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Seniorinnen und Senioren gemeinsam trainieren und lernen können. Sie beschreibt einen gegenseitigen Austausch: Jüngere Judoka gewinnen Respekt, Geduld und Disziplin, während ältere Praktizierende wieder Freude, Bewegung und die Energie der jüngeren Generationen erleben.

Ihre Beispiele sind einfach, aber wirkungsvoll. Erfahrene Judoka, die Anfängern helfen, Kinder, die mit ihren Eltern trainieren, und sogar Großeltern, die sich die Tatami teilen, zeigen, wie Judo echte Bindungen zwischen Altersgruppen schaffen kann. Es ist eine Sicht auf den Sport, die besonders relevant wirkt, wenn Vereine nach Wegen suchen, offener und nachhaltiger zu werden.

Lampe spricht auch ein Problem im modernen Coaching direkt an. Ihrer Meinung nach wird der Fokus oft zu stark auf Wettkampfergebnisse gelegt, besonders in jüngeren Altersklassen. Wettkampf bleibt wichtig, sollte aber nicht zum einzigen Ziel werden. Sie plädiert für ein Coaching, das Lernen, motorische Entwicklung, soziale Kompetenzen und die Freude an Bewegung in den Vordergrund stellt, besonders bei Kindern, Anfängern und Gruppen mit gemischtem Alter.

Hier könnte das kommende Online-Tool des JOY-Projekts einen Unterschied machen. Lampe sagt, dass viele Trainer inklusive Programme aufbauen möchten, dafür aber nicht immer die notwendige praktische Unterstützung haben. Eine gemeinsame Plattform mit Methoden, Trainingsideen und Beispielen aus verschiedenen Ländern könnte Vereinen helfen, offenere und generationsübergreifende Judo-Umfelder zu schaffen.

Im Judo Club Golovec zeigt sich diese Philosophie bereits in der Praxis. Lampe sagt, dass Kinder dort ab etwa sechs oder sieben Jahren ersten grundlegenden Elementen der Kata begegnen, immer mit einem an ihr Alter angepassten Ansatz. Bei den jüngeren Teilnehmenden liegt der Schwerpunkt auf Bewegungsprinzipien, Gleichgewicht, Zusammenarbeit und Respekt gegenüber dem Partner.

Sie unterstreicht außerdem die vier Säulen des Lernens im Judo: Randori, Kata, Kogi und Mondo. Ihrer Erfahrung nach hat Kata einen besonderen pädagogischen Wert, weil sie Präzision, Körperbewusstsein und das Verständnis der Judo-Prinzipien entwickelt. Ebenso wichtig ist, dass sie Generationen verbinden kann, wenn ältere Judoka jüngere mit Geduld durch Rhythmus und Bewegung führen.

Für Dr. Nuša Lampe fördern die besten Judo-Vereine Menschen ebenso sehr wie Athleten.

Ihr abschließender Rat an junge Trainer ist klar: Bleibt neugierig, lernt weiter und hört euren Schülern zu. Es ist eine einfache Botschaft, doch in diesem Gespräch hat sie Gewicht. Lampes Vision vom Judo ist anspruchsvoll, inklusiv und menschlich, und vielleicht wirkt sie gerade deshalb so bedeutsam.

Quelle: EJU.net

Bildquelle: EJU / European Judo Union

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