Home pressure, repeat bids and upset danger shape Qingdao’s opening judo day - Image: IJF / International Judo Federation

Heimdruck, Wiederholungschance und Überraschungsgefahr prägen Qingdaos ersten Judo-Tag

Der Grand Prix von Qingdao 2026 beginnt mit fünf Gewichtsklassen und erinnert früh daran, dass die Olympia-Qualifikation im Judo selten nach Drehbuch verläuft. Auf dem Weg nach Los Angeles 2028 geht es nach Ulaanbaatar nun in China weiter, und schon der erste Tag bringt eine Mischung aus Erwartungen im eigenen Land, bewährten Champions und echtem Überraschungspotenzial.

In der Frauenklasse bis 48 kg steht Xinran Hui besonders im Fokus. Die chinesische Weltranglistenerste kämpft zu Hause und reist als klare Favoritin an, doch dieser Status bringt neben Chancen auch Druck mit sich. Mit ihrer Teamkollegin Wenna Zhuang hat das Gastgeberland zudem noch eine weitere starke Option im Feld.

Die Kategorie gehört China aber keineswegs automatisch. Abiba Abuzhakynova aus Kasachstan, Silbermedaillengewinnerin der Weltmeisterschaften 2025, hat allen Grund zu glauben, dass sie eine Heimfeier stören kann. Auch Narantsetseg Ganbaatar aus der Mongolei hat nach einem unplatzierten Ergebnis in Ulaanbaatar, das nicht ihrem üblichen Niveau entsprach, noch etwas zu beweisen.

In der Männerklasse bis 60 kg reist Balabay Aghayev mit einem Momentum an, das sich kaum ignorieren lässt. Der aserbaidschanische Weltranglistenerste gewann erst vor einer Woche in Ulaanbaatar und hat nun die Chance, aus einem starken Wochenende gleich zwei zu machen. Auf der World Judo Tour ist das oft leichter gesagt als getan, denn der schnelle Wechsel fordert gleichermaßen Selbstvertrauen und Konstanz.

Aghayev hat womöglich nicht einmal den klarsten Weg innerhalb seines eigenen Nationalteams. Ahmad Yusifov macht Aserbaidschan zu einem weiteren ernsthaften Anwärter, und ein rein aserbaidschanisches Finale ist durchaus realistisch, wenn beide weit kommen. Izhak Ashpiz, der in der Mongolei Bronze gewann, und Ayub Bliev erhöhen die Gefahr in einer Gewichtsklasse, die alles andere als entschieden wirkt.

Schon der erste Tag fühlt sich ebenso wie ein Nerventest an wie ein Formtest.

Für Europa spielt sich eine der interessantesten Geschichten in der Frauenklasse bis 52 kg ab, wo Deutschlands Mascha Ballhaus nach Platz sieben in Ulaanbaatar eine Antwort geben will. Dieses Resultat lag unter ihren Ansprüchen, besonders nach ihrer Bronzemedaille beim Paris Grand Slam zu Beginn dieser Saison. Qingdao bietet ihr die sofortige Chance auf einen Neustart und darauf zu zeigen, dass ihr Medaillenniveau zu einem regelmäßigen Standard wird.

Ballhaus trifft auf ein schwieriges Feld. Khorloodoi Bishrelt kommt nach einer Bronzemedaille in der Mongolei nach China, während Spaniens Ayumi Leiva Sanchez Europa eine weitere Athletin gibt, die man genau beobachten sollte. Japans Kokoro Fujishiro, in diesem Jahr bereits Goldmedaillengewinnerin in Taschkent, verstärkt eine Spitzengruppe mit kaum Spielraum für Fehler.

In der Männerklasse bis 66 kg dreht sich alles um eine Frage: Kann irgendjemand Hifumi Abe wirklich ernsthaft gefährden? Der zweimalige Olympiasieger und vierfache Weltmeister bleibt der Maßstab in dieser Kategorie. Selbst wenn Judo keine Gewissheiten kennt, geht Abe weiterhin als der Mann ins Turnier, an dem alle anderen vorbei müssen.

Zu denen, die auf diese Überraschung hoffen, gehören Aserbaidschans Ruslan Pashayev und Finnlands Luukas Saha, die Europa in einer der schwierigsten Aufgaben dieses Sports vertreten. Auch Brasiliens Ronald Lima wird unter den Athleten genannt, die das Talent zum Herausfordern haben, doch Abe zu schlagen ist noch einmal eine ganz andere Aufgabe.

Die Frauenklasse bis 57 kg wirkt offener. Timna Nelson Levy ist nach Platz fünf in Ulaanbaatar erneut an eins gesetzt, und diesmal wird sie mehr wollen als nur eine gute Ausgangsposition im Draw. Frankreichs Martha Fawaz ist ein europäischer Name, der später in dieser Kategorie wichtig werden könnte, während Japans Momo Tamaoki klare Chancen hat, die untere Hälfte zu prägen.

Ranglisten sind wichtig, doch in dieser Phase des Olympia-Zyklus wird oft die mutigste Athletin oder der mutigste Athlet des Tages belohnt.

Das könnte das eigentliche Thema des ersten Tages in Qingdao sein. Die Setzliste bietet eine Orientierung, aber keine Garantie. Da die Olympia-Qualifikation noch jung ist, ist dies genau die Art von Turnier, in der Momentum schnell wachsen kann, Druck hart trifft und eine neue Herausforderin oder ein neuer Herausforderer plötzlich sehr real wirkt.

Quelle: IJF.org

Bildquelle: IJF / International Judo Federation

Quelle: IJF.org

Bildquelle: IJF / International Judo Federation

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